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Wie kannst du Integrativmedizin lernen

Ein Überblick über den deutschen Weiterbildungsmarkt – für Ärzte, Heilpraktiker, Therapeuten und Quereinsteiger

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Ein Hubschrauberflug über den Weiterbildungsmarkt

Wie kannst du Integrativmedizin lernen – ganz egal, ob du am Anfang deines Berufslebens stehst, ob du als Arzt oder Ärztin neue Wege suchst oder ob du als Quereinsteiger in die ganzheitliche Medizin einsteigen möchtest? Diese Frage ist berechtigt, und der Markt, der sich hinter ihr verbirgt, ist enorm. Wir nehmen dich hier mit auf einen "Hubschrauberflug" – einen bewusst unvollständigen, aber hilfreichen Überblick über die wichtigsten Wege und Anbieter in Deutschland.
Mein Name ist Anke Schmietainski. Seit mehr als 20 Jahren bewege ich mich im Bereich der Integrativmedizin. Ich bin eine von acht Anstiftern für Häuser des Heilens. Mit Vision Gesundheit begleiten wir Praxen und Projektinitiativen auf dem Weg in ein neues ganzheitlich ausgerichtetes Gesundheitswesen – von den ersten Konzepten über gemeinsame Träume bis hin zu ganz konkreten Projektentwicklungen.

Der Weg für Ärzte: Studium und erste Schritte

Wer in Deutschland Arzt werden möchte, braucht zunächst den Numerus Clausus und einen Studienplatz. Schön wäre es, beides gleichzeitig zu lernen: klassische Medizin und Integrativmedizin. In Deutschland geht das leider nur an einer einzigen Hochschule, und die ist privat: der Universität Witten/Herdecke. Dort kann die anthroposophische Medizin parallel zum klassischen Medizinstudium erlernt werden.


Daneben gibt es einige staatliche Universitäten mit Stiftungsprofessuren, die integrative Inhalte vermitteln – darunter die Charité Berlin (aktuell pausiert), die Universität Duisburg-Essen mit Professor Dobos, die Uni Freiburg, die Universität Tübingen mit dem Bosch Health Campus in Stuttgart sowie die Universität Hamburg. Viele dieser Professuren werden von der Carstens-Stiftung gefördert.

 

Ergänzend dazu bieten integrative Hochschulambulanzen praktische Einblicke – und die Hufelandgesellschaft hat einen speziellen Überblickskurs für Medizinstudierende entwickelt, mit dem man in verschiedene Bereiche der Integrativmedizin reinschnuppern kann.

Nach der Approbation: Facharzt und Zusatzbezeichnungen

Hat man das Studium abgeschlossen, stehen verschiedene Wege offen. Manche Ärzte streben den Facharzt für Umweltmedizin an – je nach Bundesärztekammer ist das eine Facharztanerkennung oder eine Zusatzbezeichnung. Zu den weiteren Zusatzbezeichnungen nach Weiterbildungsordnung zählen: Naturheilverfahren, Homöopathie, Akupunktur, Manuelle Medizin/Chirotherapie sowie Balneotherapie und medizinische Klimatologie.


Ein Sonderfall ist die Homöopathie: Vor einigen Jahren hat der Ärztetag sie aus der Musterweiterbildungsordnung herausgenommen. Inzwischen kann die Zusatzbezeichnung nur noch bei drei Ärztekammern erworben werden. Als Fachwissen bleibt sie natürlich weiterhin zugänglich. Die Fortbildung für diese Bezeichnungen findet unter anderem beim ZAEN-Kongress, der Medizinischen Woche (ausgerichtet von der Ärztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde) oder direkt bei den jeweiligen Fachgesellschaften statt – etwa beim Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte e.V.

 

Auch für andere Therapieverfahren gibt es eigene Verbände, wie z.B. die Ärztegesellschaft für Präventionsmedizin und klassische Naturheilverfahren oder einer der drei Fachgesellschaften im Bereich Akupunktur.


Unabhängig von Weiterbildungsordnungen gibt es in Deutschland geschätzte 500 Verbände für Integrativmedizin – Ärzteverbände, Heilpraktikerverbände und Patientenverbände. Einzelne Therapeuten und Ärzte haben darüber hinaus eigene Weiterbildungsinstitute aufgebaut: Dr. Klinghardt z.B. bietet ein umfassendes System für die Praxis an, das körperliche, psychische und psychosomatische Bereiche abdeckt, Professor Harald Matthes hat ein Institut in Zell eröffnet, das MOJO-Institut vermittelt bewährte Konzepte für chronische Erkrankungen, und Professor Max Lüscher beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit Psychiatrie und Psychosomatik.

Der Weg zum Heilpraktiker

Wer in Deutschland als Heilpraktiker arbeiten möchte, muss eine amtsärztliche Prüfung ablegen – und dabei nachweisen, “keine Gefahr für die Volksgesundheit“ zu sein. Das bedeutet: Man muss die eigenen Grenzen kennen, wissen, was man nicht behandeln darf, und die gesetzlichen Regelungen beherrschen. Darauf bereiten Heilpraktikerschulen vor.


In Deutschland gibt es rund 150 bis 160 Heilpraktikerschulen. Viele bieten drei- bis fünfjährige Vollzeitausbildungen an, die einen guten Überblick über die Behandlungsverfahren der Integrativmedizin vermitteln. Zu den bekanntesten gehören die Paracelsus-Schulen mit über 50 Standorten, die Deutsche Heilpraktikerschule und die ILS als größte Fernschule. Der Fachverband Deutsche Heilpraktikerschulen hat eigene Qualitätsprinzipien entwickelt und vergibt ein entsprechendes Zertifikat – listet aber bei Weitem nicht alle Schulen auf.

 

Ergänzend zu den Schulen gibt es Hochschulen wie die Hochschule Anhalt, die Karl-Remigius-Medizinschule oder die Diploma, die universitär auf die Heilpraktikerprüfung vorbereiten. Und natürlich gibt es auch hier Ausbildungen bei bekannten Ärzten und Therapeuten, wie dem bereits erwähnten Dr. Klinghardt.

Therapeuten: Sektoraler Heilpraktiker und der Sonderfall Osteopathie

Für Therapeuten – zum Beispiel Physiotherapeuten – gibt es spezifische Wege in die Integrativmedizin. Eine Möglichkeit ist der sektorale Heilpraktiker: Damit können Therapeuten eigenständig Diagnosen stellen und Therapiepläne entwickeln, unabhängig von ärztlichen Verschreibungen. Je nach Bundesland ist dafür eine zusätzliche Prüfung notwendig oder es reicht eine Zusatzausbildung.


Einen Sonderfall bildet die Osteopathie. In vielen anderen Ländern hat das fünfjährige Osteopathiestudium den gleichen Rang wie ein Arztberuf. In Deutschland ist das nicht so: Auch wer dieses Studium im Ausland absolviert hat, darf hierzulande nicht eigenständig eine Praxis führen – es sei denn, er legt zusätzlich die amtsärztliche Heilpraktikerprüfung ab. Die Ausbildung wird von zwei Verbänden koordiniert: dem Verband der Osteopathen Deutschlands und dem Bundesverband der Osteopathie.

Quereinsteiger

Gesundheitscoaches und Studium

Für Menschen, die ohne medizinische Vorausbildung in den Bereich der Integrativmedizin einsteigen möchten, gibt es heute ein breites Angebot. Im universitären Bereich sind Bachelorabschlüsse in Komplementärmedizin, Integrative Health, Naturheilkunde, Gesundheitspsychologie oder integrativer Gesundheitsförderung möglich. Masterprogramme ermöglichen danach sogar den Einstieg in Forschung und Promotion – zum Beispiel in Naturheilkunde und komplementärer Medizin, psychologischer Medizin oder komplementärer Medizin.


Gesundheitsberater und Gesundheitscoaches arbeiten im Bereich Verhaltensänderung, Beratung und Prävention – sie begleiten Menschen bei chronischen Erkrankungen oder in der Prävention. Sie finden Einsatz in der Lehre, in der Forschung und in Präventionsprogrammen der Krankenkassen. Neben den Hochschulen gibt es zahlreiche freie Ausbildungen: zum Gesundheitsberater, Gesundheitscoach, Nähr- und Vitalstoffcoach oder Epigenetik-Coach. Sogar die IHK bietet entsprechende Zertifikate an, ebenso Coachingschulen und der Bund der Naturheilvereine.

 

Die entscheidende Frage bleibt: In welchem Bereich möchtest du arbeiten? Was begeistert dich? Folge der Freude – und wähle dann das passende Institut.

Ernährungsberater

Auch im Bereich Ernährung gibt es unterschiedliche Qualifikationswege. Wer mit gesetzlichen Krankenkassen zusammenarbeiten oder in deren Präventionsprogrammen tätig sein möchte, braucht eine anerkannte Qualifikation. Das können ein Studium an der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport oder der DGE-Ernährungsberater sein. Zur DGE ist anzumerken, dass sie sich als wissenschaftlich versteht, industrienah ist und ganzheitliche Zusammenhänge – wie die Verbindung von Körper, Seele und Geist – tendenziell nicht berücksichtigt. Die Diätassistenten ergänzen das Bild mit ernährungsmedizinischem Fachwissen zu bestimmten Erkrankungen.


Eine ganzheitlichere Richtung verfolgt das VUG – der Verein für unabhängige Gesundheitsberatung, gegründet vor mehr als 30 Jahren von dem Arzt Max Otto Bruker, der der Vollwerternährung sein Lebenswerk widmete. Das Institut hat sich inzwischen weiterentwickelt und integriert auch Verhaltensänderungen und ganzheitliche Aspekte. Wer noch mehr Praxisbezug sucht, findet dort auch Antworten auf die Frage: Wie koche ich ganzheitlich?


Ergänzend bieten freie Anbieter wie die Akademie der Naturheilkunde, das Zentrum der Gesundheit mit seinem Fokus auf Nahrungsergänzungsmittel oder Heilpraktikerschulen weitere Möglichkeiten. Auch Therapeuten wie Dietrich Klinghardt, Uwe Albrecht oder Jörg Spitz (Schwerpunkt Vitalstoffe) bieten Ausbildungen für Quereinsteiger an.


Weiterbildungen durch Hersteller integrativer Heilmittel

Eine oft unterschätzte Weiterbildungsquelle sind die Hersteller integrativer Heilmittel und Geräte. Natürlich haben sie ihre eigenen Produkte im Fokus – aber viele bieten dabei sehr fundierte Seminare an, die weit über das eigentliche Produkt hinausgehen. Die Firma Seres zum Beispiel, die homöopathische Urtinkturen herstellt, geht sehr tief in die Beschreibung der Signaturen von Heilpflanzen – und vermittelt so echtes Wissen über Pflanzenheilkunde. Solche Herstellerschulungen sind zumindest als Ergänzung ein wertvoller Teil der praktischen Weiterbildung.

Was fehlt in diesem Überblick – und warum

Bewusst ausgeklammert wurden in diesem Überblick einige wichtige Bereiche: der gesamte Bereich Fitness und Personal Training (der sicher zum Thema "gesund werden und gesund bleiben" gehört, aber einen eigenen Beitrag verdient), der Bereich psychische und mentale Gesundheit mit seinen unzähligen Coaching-Ausbildungen sowie das weite Feld von Yoga und Bewusstseinsbildung. Diese Themen sind nicht weniger wichtig – sie sprengen schlicht den Rahmen eines einzigen Überblicks.

Von Herzen geschrieben von Anke



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